Eine wahre Anekdote aus dem Jahr 1987
Dieter der Fördermaschinist war ein guter Kumpel. Sein
größter Stolz war sein neues Transistor-Kofferradio. Mit leichter Musik im
Hintergrund machte ihm die Arbeit doppelten Spaß. Eines Tages rief er mich ganz
traurig an und erklärte mir, dass sein Radio keinen Pieps mehr mache. Er würde
sich freuen wenn jemand mal danach sehen könnte. Ich fuhr also mit Nico dem
Vorarbeiter (ein Elektronikgenie) hoch zur Fördermaschinenbühne. Wir
überprüften das Kofferradio und wackelten mal am Kabel, aber das Ding gab
keinen Ton ab. Also nahmen wir das Gerät mit zur Werkstatt, nicht ohne vorher
Dieter zu versichern „dat kriegen wir schon widder am laufen“.
Nachdem wir das Radio aufgeschraubt hatten konnten wir den
Fehler sofort sehen. Am Netzteil war ein Draht abgegangen (kalte
Lötstelle). Nico lötete den Draht neu ein und als wir das Gerät eingesteckt
hatten waren alle Funktionen wieder da.
Ich bemerkte ein mir nicht fremdes Grinsen bei Nico (das
bekannte Schabernackgrinsen) als er emsig in seiner Werkbank-Schublade etwas
suchte. Ich war sehr erstaunt als er mit einigen Widerständen, Dioden und
Transistoren zurück zum Gerät kam. „Was ist los Nico? Das Gerät ist doch wieder
in Ordnung“ fragte ich ihn erstaunt. Nicos Antwort war „ja schon, aber ein paar
Bauteile mehr können doch nicht schaden“. Interessiert beobachtete ich wie Nico
mehrere Bauteile (alle mit den Anschlussbeinchen auf der Masseleitung, also
ohne jegliche Funktion) einlötete. Anschließend schraubte er den Deckel des Gerätes
mit nur einer Schraube an. „frag nichts“ sagte er „es ist schon alles in
Ordnung“.
Zusammen fuhren wir wieder hoch zur Fördermaschinenbühne.
Nico steckte das Radio in die Steckdose der Fördermaschinen-kabine ein und es
erklang sogleich ein uralter Schlager (ich glaube es waren die Caprifischer).
Glücklich bedankte sich Dieter und stellte dann die Frage, auf die Nico nur
gewartet hatte. „Wat war denn dran?“ Nico zog das Kabel aus der Steckdose und
öffnete den Deckel des Gerätes. „Hier am Netzteil hatte sich ein Draht
ausgelötet“ erklärte er Dieter. Dann sagte er „ich habe aber auch festgestellt
das in dem Radio einige Bauteile zu viel sind“. Dann zog er seinen
Saitenschneider aus der Tasche und schnitt vor den Augen des verblüfften
Maschinisten einige elektrische Bauteile ab und legte sie anschließend auf den
Tisch. Dann schraubte er in aller Seelenruhe das Radio (jetzt mit allen
Schrauben) wieder zu.
Dieter war nahe an einem Herzinfarkt. Das einzige was er
noch flüstern konnte war „bist du wirklich sicher, dass die Bauteile zu viel
waren?“ Nico erwiederte nichts, sondern er nahm das Radio und steckte es wieder
ein. Sofort war die angenehme Stimme der Radiosprecherin zu hören. „Ich sagte
dir doch, da sind einige Bauteile zu viel“ sagte Nico.
Noch immer nicht ganz überzeugt stellte Dieter verschiedene
Sender ein und drehte die Lautstärke kurz einmal rauf und runter. Er konnte
nicht fassen, dass das Gerät einwandfrei funktionierte. Schnell verabschiedeten
wir uns von Dieter und stiegen in den Personenaufzug. Nachdem wir 5 sec
gefahren waren platzten wir beide vor Lachen aus. Die Story zog natürlich
Kreise und war eine Woche lang das Thema Nummer 1.
Als die Kollegen Dieter über die wahren Hintergründe
aufklärten musste selbst er herzhaft lachen.
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