Mittwoch, 25. März 2015

Sommerspaß


Sommerspaß

Endlich Sommer. Manchmal war es in der Sieberei oder Wäsche so warm, dass man sehr gerne die Arbeits-Schutzkleidung abgelegt hätte. Das war jedoch nicht immer machbar. Also verschafften sich manche Kollegen die nötige Abkühlung an den verschiedenen Waschbecken oder sonstigen Wasser-Entnahmestellen. Einige hatten zur Abkühlung auch einen Eimer mit Wasser in der Nähe der Arbeitsstelle.
Welche erfrischende Wirkung eine Kaltwasserdusche bei heißem Wetter hat weiß jeder wohl zu schätzen.

Die Schlosser und Elektriker waren dann in Bezug auf Erfrischungen immer sehr kreativ. Im Betrieb gab es sehr viele Türen. Einige davon wurden zu einem Spalt von ca. 30cm geöffnet und dann auf der Oberkante der Tür ein Eimer mit kaltem Wasser abgestellt. Der Nächste, der die Tür öffnete bekam dann (zwar unfreiwillig) eine kostenlose Kaltdusche.

Hans, der Wäscheelektriker wollte an einem schönen Tag seinem Sieberei-Kollegen eine Abkühlung verschaffen und hatte über der Türe vom Ausgang der Sieberei bereits den Eimer in Stellung gebracht. Er bezog seinen Beobachtungsposten im Wäscheschaltraum, wählte die Nummer seines Sieberei-Kollegen und bat ihn um Hilfe bei einer Erdschlußsuche. Voller Vorfreude stellte er sich gut sichtbar an ein Fenster.

Kurz danach öffnete sich die Tür und .................. der Fahrsteiger Wäsche bekam eine nicht erwünschte Abkühlung. Dumm gelaufen, denn der Fahrsteiger hatte den lachenden Hans am Fenster gesehen.
Der mittlerweile eingetroffene Sieberei-Kollege erhielt den Auftrag, Hans auf ein längeres Gespräch mit dem Fahrsteiger vorzubereiten. Danach stampfte der Fahrsteiger in Richtung Kaue und besorgte sich trockene Arbeitskleidung.

Auch wenn es manchmal komisch aussah, war es gut im Sommer, Türen erst einmal mit einem Besen oder einer Stange aufzudrücken.




Dienstag, 24. März 2015

Der übermütige Kavalier


Anekdote 5 Regina Weigel


Ich hatte beim EBV verschiedene, aber immer sehr nette Vorgesetzte.
Aber hier ein Anekdötchen über einen meiner Chefs.
Wir hatten Weihnachtsfeier und feierten diese am Göbbels-Stadion in Schaufenberg bei ... (jetzt fällt mir der Name nicht mehr ein). War sehr schön. Mein Chef und ich wohnten damals im selben Ort. Er hatte gerade einen neuen Mercedes und ich gerade frisch den Führerschein. Da er etwas getrunken hatte, schlug er vor, dass ich "uns" nach Hause fahre.
Gesagt ... getan ... Als ich auf seine Einfahrt biegen wollte, protestierte er... ich solle mich nach Hause fahren. Die paar Meter zurück könne er schon fahren. "Da passiert schon nix mehr!"


Mein Widerspruch schlug ins Leere und ich fuhr mich nach Hause. Montags wurde ich bombadiert ... und ... seid Ihr gut nach Hause gekommen? Und ... wie hast Du Dich gefühlt mit dem neuen Schlitten fahren zu dürfen? ... Ich fand das ganz normal und ok.

Aber dann kam mein Chef ... ziemlich langes Gesicht ... wir hatten alle keine Erklärung dafür. Einer meiner Kollegen, der immer vorpräschte: "Watt is? Is wat passiert?" Daraufhin strömten alle anderen auch in das Büro (wir hatten drei hintereinander liegende Büros deren Türen immer offen standen). "Also, dat Reginchen hat uns gut nach Hause gebracht. Aber ich wollte nicht, dass sie durch die Dunkelheit laufen musste, deshalb sind wir zuerst zu ihr gefahren und ich hab dann unser Vordach abgerissen. Reginchen .... nimmst Du mich gleich mit nach Hause? Mein Auto ist in der Werkstatt! Und jetzt haltet ja die Klappe und fangt endlich mal an zu arbeiten!!!"


Die Polizei, dein Freund und Helfer. Eine hat immer das letzte Wort.


Anekdote 1 Regina Weigel

Der Sicherheitsdienst und deren Mitarbeiter wurden leider nicht immer gerne im laufenden Betrieb gesehen und wurden leider oftmals nur stirnrunzelnd als Störenfriede empfangen.
Mein damaliger Chef sprach immer eine sehr deutliche aber "herzliche" Bergmannssprache. Was ihn nicht unbedingt beliebt machte, was dazu führte, dass er bei einer Betriebsfeier einer besonderen Be(ob)achtung unterlag.
So hatten ganz liebe Kumpel die "Freunde und Helfer" informiert, dass jemand ein bisschen tiefer ins Glas geschaut hat und später sein Fahrzeug garantiert persönlich zu Hause postieren wird.

Sie legten sich auf die Lauer ... und da es dauerte und dauerte, klingelten sie dessen Ehefrau aus dem Bett und erkundigten sich, ob der mutmaßliche Täter nicht vielleicht schon zu Bett läge. Sie verneinte dies und sie bezogen wieder ihre Stellung. Da allerdings inzwischen der Schichtwechsel vor der Tür stand, gaben sie ihren Posten unvollendeter Dinge auf und fuhren zu ihrer Dienststelle zurück.
Inzwischen kam der Gesuchte zu Hause an und wurde von seiner Frau aufgeregt empfangen: "Wo warst Du, was hast Du gemacht? Die Polizei war hier und hat sich nach Dir erkundigt!" "WAS??? DIE POLIZEI??? HIER???" Sprachs und verschwand ... Direkt zur Polizeiwache!!! "Mein Name ist .............. ! Was liegt hier gegen mich vor?" Der Polizeibeamte: "Wie sind Sie denn hier her gekommen?" "Ich? Mit meinem Mercedes natürlich!" ... schwupps ... Seitdem hatte sein Führerschein einen Balken


Anekdote 2
Na ja ... damals lief man ja tatsächlich noch öfter zur Post. Handy, Internet usw. war kaum vertreten.
Spricht mich ein Kollege an, wir mochten uns nicht wirklich! "Fräulein Riedel, was machen Sie eigentlich um 12.00 Uhr (Pause war erst ab 12.30 Uhr) an der Post?" "Ich an der Post???? Wer will mich denn da gesehen haben?" Er: "Ich!!" Ich: "Und was machen Sie um 12.00 Uhr an der Post?" "Das ist ja eine Unverschämtheit! Sie müssen ja wohl immer das letzte Wort haben!!" Ich: "Das liegt ja wohl nicht an mir! Woher soll ich denn wissen, dass Sie nichts mehr sagen wollen!" Er: "Dä!! Schon wieder!!!!"""


Mordanschlag im Morgengrauen. Wenn der Streich nach hinten los geht.


Anekdote 10 Emil Mayrisch  „Mordanschlag im Morgengrauen“

6:25 Uhr, die Frühschicht auf Emil Mayrisch war noch sehr jung. Es war ein triester Herbsttag. Die Frühnebel schlängelten sich in Schlieren um die hohen Mastleuchten an der Verladestelle vor der Wäsche. Hans, der Wäscheelektriker, öffnete eines der Fenster im Schaltraum und sah noch etwas verschlafen dem Treiben der Loks auf den Schienensträngen zu. Nach einer Weile schweifte sein Blick auf die ungefähr 30m gegenüber liegende Schlosserwerkstatt. Die Fenster der Werkstatt zeigten noch ein gedämpftes Licht und es war auch nicht das obligatorische Flackern, der durch die Schweißmaschinen erzeugten Blitze, zu sehen. „Die haben wohl heute keine Lust“, dachte Hans.
Auf dem Tisch sah er zufällig 3 defekte Schmelzsicherungseinsätze 25A liegen. In diesem Moment fasste Hans einen folgenschweren Entschluss. Er wollte die Schlosser nur ein wenig erschrecken damit sie in die Gänge kämen. Er griff nach einem der Schmelzeinsätze, ging zum Fenster, zielte und warf die Sicherung in Richtung Fenster der Schlosserwerkstatt.

Ortswechsel:
Gegen 6:25 Uhr öffnete der Schlossersteiger Günter die Türe zur Werkstatt. „Wieso ist das hier so dunkel und warum sitzt ihr alle noch hier herum?“ lautete seine Begrüßung. „Glück auf Steiger, es funktioniert nur noch eine Lampe und wir haben auch keine Spannung auf den Schweißgeräten“, stellte der Vorarbeiter Karl-Heinz klar. „Habt ihr die Elektriker scho.........“.
Rumms........., plötzlich gab es einen lauten Schlag der von einem seltsamen Klirren begleitet wurde. Der Schlosser der direkt neben dem Fenster stand hatte sich der Länge nach auf den Boden geworfen und auch allen anderen stand der Schreck im Gesicht. Durch ein faustgroßes Loch strömte kalte Luft in die Werkstatt. Vorsichtig näherten sich einige Schlosser dem defekten Fenster und versuchten draußen etwas zu erkennen. „Licht aus“, ertönte die Stimme des Steigers und einen Moment später erlosch das Licht. Außer dem normalen Schienenverkehr war draußen keinerlei Bewegung feststellbar.

Etwa im gleichen Moment klingelte im Schaltraum Wäsche das Telefon. Hans befürchtete, dass er bei seinem „Anschlag“ beobachtet worden war und ließ es zunächst einmal klingeln. Der Anrufer verfügte jedoch über ein hartnäckiges Maß an Geduld  so das Hans schließlich doch abhob. „Hallo Hans“, hörte er seinen Steiger sagen „der Siebereielektriker hat zur Zeit eine Störung in der Beschickung, deshalb wäre es gut wenn du mal kurz zur Schlosserwerkstatt gehen könntest, die haben keine Spannung“. „Ja, mache ich sofort“, sagte Hans und hängte ein. Mit Werkzeugtasche und Meßgerät machte er sich auf den Weg zum Ort des „Anschlags“.

Als er die Schlosserwerkstatt betrat waren die Schlosser gerade in einer erregten Diskussion. Hans grüßte kurz und ging zum Sicherungsverteiler. Direkt neben dem Sicherungsverteiler auf dem Boden erblickte er „seine 25A-Sicherung“. Da die Schlosser nicht auf ihn achteten hob er sie auf und steckte sie in die Tasche.
„Das war eindeutig ein Schuss“, sagte einer der Schlosser. „Quatsch doch nicht so einen Blödsinn“, erwiderte prompt ein anderer Kollege. „Wie sonst erklärst du dir denn das Loch in Scheibe“? wurde direkt gefragt. „Solange die Sache nicht geklärt ist, arbeite ich hier keine Sekunde mehr“, ließ sich ein Dritter hören. Der Steiger stand ziemlich unter Druck seiner ängstlichen Mitarbeiter. Inzwischen hatte Hans neue Sicherungen eingedreht und das Licht wieder eingeschaltet. Sein ganzes Denken drehte sich nun um das gehörte und er beschloss einige Vorschläge zu machen, damit die Schlosser den Gedanken an einen Schuss aufgeben würden. „Also Leute, ich habe Teile eures Gespräches zwangsläufig mitbekommen. Wenn hier wirklich geschossen wurde muss ja das Projektil hier in der Werkstatt zu finden sein“. Der Steiger sprang auf diese Bemerkung sofort an und wies sein Leute an, mit der Suche  nach dem Geschoss zu beginnen. Unter Berücksichtigung möglicher Schusswinkel wurden die entsprechenden Stellen genau in Augenschein genommen. Aber selbst nach gründlicher Suche konnte kein Projektil gefunden werden. Hans versuchte eine Erklärung zu liefern, dass z.B. ein Stein der auf den Schienen lag von einem vorbeifahrenden Zug unglücklich in Richtung Fenster befördert wurde und dann vom Fenster abgeprallt sei. Die Schlosser entgegneten jedoch, „dann müßte der Stein ja in der Werkstatt liegen, weil er das Fenster durchschlagen hat“. Die Situation war für Hans nicht mehr zu retten. Selbst nach längerer Diskussion verlangten die Schlosser von ihrem Steiger, dass er den Sicherheitsdienst oder sogar die Polizei über den Anschlag verständigen müsse. Mit diesem „Auftrag“ verließ der Steiger die Werkstatt in Richtung Büro.

Reumütig und schweren Herzens kehrte Hans in den Schaltraum zurück und rief nun seinen Steiger an. Er schilderte ihm kurz die wahren Begebenheiten und bat ihn den Schlossersteiger von seinem Vorhaben abzubringen. Der Elektrosteiger klärte den Fall bei seinem Steigerkollegen auf und bat ihn, die Sache nicht an die große Glocke zu hängen.
Am Ende der Schicht hatte Hans dann noch ein eindringliches Gespräch mit seinem Vorgesetzten. Die Schlosser wurden informiert, dass der Fall geklärt wurde und es sich nicht um einen Mordanschlag handelte. Mit dieser vorläufigen Erklärung mussten sie sich eine Woche lang zufrieden geben (damit ihre Wut abklingen konnte).
Als Hans eine Woche später auf der Mittagschicht die Schlosser zum Grillen eingeladen hatte und ihnen bei dieser Gelegenheit die Wahrheit erzählte konnten schon wieder alle über den Vorfall lachen. Mittlerweile war auch die defekte Scheibe durch eine neue ersetzt worden.

Montag, 23. März 2015

Kriegsveteran und Seemann


Anekdote 9 Emil Mayrisch     Die Schlacht bei el Alamein und eine turbulente Flucht

Unser Vorarbeiter für die Telefonie war Hein. Er war ein äußert humorvoller Mensch und sehr zuvorkommend. Auf Grund seines hohen Alters (er war schon über 50 Jahre) verfügte er auch über ein hohes Maß an Gelassenheit. Im zweiten Weltkrieg war er bei der Marine und er gehörte mit zu den Kämpfern von Rommel in der Schlacht bei el Alamein.
Nachdem Bernhard Montgomery den deutsch-italienischen Truppen eine vernichtende Niederlage zugefügt hatte flüchteten die Soldaten nach Alexandria um dort einzuschiffen.

Wenn es die Zeit erlaubte war es ganz klar, dass Hein den Lehrlingen seine persönliche Geschichte aus dieser Zeit erzählte und die ging ungefähr so:

„Die Alliierten verfolgten uns auf unserer Flucht. Wir mussten zu Fuß fliehen weil unsere Fahrzeuge gänzlich zerstört waren. In einem kleinen Dorf in der Nähe von Alexandria, ich glaube es hieß Burg el Arab standen wir plötzlich vor einem Gehege in dem tausende Strauße eingepferscht waren. Unser Kommandant befahl uns aufzusitzen. Jeder Landser nahm sich einen Strauß und wir saßen auf. Dann erfolgte der Befehl zum ausrücken. Die weißen Bänder an unseren Matrosenmützen flatterten im Wind und es war ein prächtiges Bild als so viele Soldaten in Richtung Alexandria auf Straußen ritten. 

Da mein Strauß ein wenig lahmte kam ich erst später in Alexandria an. Die Truppen verließen gerade den Hafen. Mit vier anderen Kameraden suchten wir nach einer Möglichkeit das Mittelmeer zu überwinden. Ein kleiner italienischer Zerstörer nahm uns mit weil ich dem Kapitän versichert hatte, dass wir alle Kanoniere wären. Dies kam dem Kapitän gerade recht da er keinen Soldaten mehr hatte der die Kanone bedienen konnte. Wir mussten höllisch auf der Hut sein denn das Mittelmeer war fest in der Hand der Alliierten. 

Die Fahrt verlief zuerst auch sehr ruhig. So kam es, dass ich mich beim Kartoffelnschälen in den Finger schnitt. Mitschiffs legte ich mich deshalb etwas in die Sonne und ließ meine Hand an der Bordwand im Wasser abkühlen. Plötzlich stieß ein Hai aus dem Wasser und riss mir mit einem Bissen meinen rechten Arm bis zur Elle weg (spätestens an dieser Stelle sahen die Lehrlinge, dass Hein über zwei gesunde Arme verfügte und auch keine Prothese trug). 

Zu diesem ganzen Unglück schrillte plötzlich auch noch die Sirene „Alarm“. Sofort begab ich mich zur Kanone und suchte im Sichtgerät den Horizont ab.
Ganz weit in der Ferne war ein fremdes Schiff zu sehen. Da die Einschläge sich bereits unserem Schiff gefährlich genähert hatten schoss ich sofort zurück. Volltreffer, das feindliche Schiff sank innerhalb von Minuten. Trotzdem hörte der Beschuss nicht auf. Ein zweites feindliches Schiff fuhr mit Volldampf in unsere Richtung. Der Kapitän befahl volle Fahrt zur Flucht. Plötzlich färbte sich das Mittelmeer in einer bräunlichen Farbe mit dunkelbraunen Schlieren. Als wir uns der Stelle näherten an dem ich das Schiff versenkt hatte war das Mittelmeer dort tiefbraun. Was soll ich euch sagen, ich hatte einen Kakaodampfer versenkt. Wenn ihr einmal das Mittelmeer in Richtung Ägypten überquert solltet ihr eure Augen auf das Wasser richten denn den riesigen Kakaofleck kann man heute noch sehen.

Nachdem die Lehrlinge sich vor Lachen geschüttelt hatten ging Hein wieder seiner geliebten Beschäftigung nach. Er überprüfte die Wählerrelais, die Einlötsicherungen und die Telefonverteiler. Die Lehrlinge sprachen natürlich untereinander über ihre Erlebnisse. So kam es, dass sich in der Ausbildung viele Lehrlinge nach Emil Mayrisch meldeten.

Und wenn sie nicht gestorben sind dann ...............................................................

Big Brother is watching you


Anekdote 8 Emil Mayrisch

Wenn man nicht an alles denkt

Unser Betriebsführer Hans hatte in seinem Büro einen Linienschreiber eingebaut . Er konnte darauf jederzeit sehen ob die Wäsche läuft oder nicht. Ein elektrisches Signal vom Aufgabeband wurde über Telefonkabel in sein Büro übertragen. Wenn das Aufgabeband lief dann liefen auch die nachfolgenden Maschinen.

Ziemlich am Anfang dieser Frühschicht ertönte mein Funk-Rufgerät und es wurde mir ein Stillstand der Wäsche gemeldet. Im Schweinsgalopp machte ich mich auf die Socken zum Leitstand in der Wäsche. Dort nahm mich unser Vorarbeiter Jürgen mit dem Telefon in der Hand direkt in Empfang. „Für dich“, der Herr Betriebsführer. „Ja bitte?“, „Jong wat is da in der Wäsche los?, war seine erste Frage. Ich war noch sehr außer Atem von meinem Sprint, trotzdem bemühte ich mich ruhig zu klingen und antwortete „ich komme gerade hier im Leitstand an, aber ich kann noch nicht sagen welche Störung vorliegt“. „Dann mach mal hinne, ich muss gleich zur Besprechung zum Direktor und möchte da nicht als Unwissender stehen“. „Ich tue was ich kann, aber dafür muss ich jetzt erst einmal aufhören zu telefonieren“ antwortete ich und legte auf.

Jürgen und ich waren gerade dabei die Störmeldungen zu analysieren (es waren vielleicht 3 Minuten vergangen) da kam der zweite Anruf, nach weiteren 3 Minuten der nächste und schließlich hatte Jürgen die Schnauze voll. Er nahm den Plan des Telefonverteilers und brückte die Meldung vom Aufgabeband was zur Folge hatte, dass der Schreiber beim Betriebsführer nun direkt anzeigte „Wäsche-Aufgabeband läuft“. Mit dieser (falschen) Information ist er dann zu seiner Besprechung gegangen.

Mit der nötigen Ruhe und der Reihe nach kamen wir dann auch relativ schnell auf die Störungsursache und beseitigten sie. Nach ca. 30 Minuten lief die Wäsche wieder.

In der Pause bestellte der Betriebsführer mich in sein Büro. „Das hast du ja schnell wieder in den Griff bekommen“ lobte er mich um anschließend in einem gefährlich leisen Ton anzufügen „wenn du noch einmal versuchen solltest mich zu verarschen wird das Folgen haben, du hast jetzt nur Glück gehabt, dass die Störung nicht zu lange gedauert hat“. Mit diesen Worten reichte er mir zwei Rollen von Linienschreibern. Eine Rolle war die von seinem Linienschreiber im Büro und die andere Rolle war aus dem Linienschreiber in der Grubenwarte. Störzeit auf seinem Linienschreiber 16 Minuten, Störzeit auf dem Linienschreiber der Grubenwarte 31 Minuten.

So ein Mist, wir hatten vergessen das Signal zur Grubenwarte ebenfalls zu brücken und der Betriebsführer war intelligent genug um zu ahnen was wir gemacht hatten. Als ich bedröppelt aus dem Büro ging konnte ich im Spiegelbild des Fensters sehen das er trotz allem ein Grinsen nicht verbergen konnte. Bei späteren Störungen hat er sich dann auch immer in einem angemessenen Zeitrahmen telefonisch gemeldet.

Schlagfertigkeit, ein Markenzeichen der Holländer.


Anekdote 7 Emil Mayrisch

Ja, ja unsere Freunde die Holländer



Anfang der 80er Jahre liefen auf Emil Mayrisch die Planungen für den Umbau der Wäsche auf S5-Computersteuerung an. An den Gesprächen nahmen auch der Reviersteiger Hubert und von Firmenseite (Firma Miebach) der Baustellenleiter van der Sanden teil. Van der Sanden war ein brennender Fußballfan der holländischen Nationalmannschaft. Hubert hatte mit Fußball wenig am Hut wusste allerdings das Deutschland 1974 bereits zum zweiten mal Weltmeister war.


Hubert war sehr humorvoll und immer zu Scherzen aufgelegt (die Schabernackgeschichten seiner Mitarbeiter waren ihm gänzlich bekannt). Er liebte es manchmal auch Leute aufzudrehen (aber immer in einer sympathischen Art).



Als es wieder einmal in einer Pause um das Thema Fußball ging stellte er eine Frage an van der Sanden „weißt du eigentlich warum alle holländischen Kinder so große Ohren haben?“

Der erstaunte van der Sanden antwortete „nein, das weiß ich nicht“.

„Das ist ganz einfach“ erklärte Hubert ihm „an der deutsch holländischen Grenze heben die Holländer ihre Kinder an den Ohren hoch damit sie einmal das Land der Weltmeister sehen können“.



Es dauerte eine kleine Zeit dann stellte van der Sanden die Frage „weißt du denn warum alle Erwachsenen der Deutschen ihre Ohren 5 cm nach hinten versetzt bekommen?“ Hubert überlegte eine Zeit und sagte dann „nein, weiß ich nicht“. Van der Sanden grinste und antwortete „damit sie ihr Maul noch weiter aufreißen können“.



Über diese Schlagfertigkeit des Holländers mußte Hubert herzhaft lachen. Seit diesem Gespräch verband die beiden eine richtige Freundschaft.

Scherben bringen Glück


Anekdote 3 Regina Weigel

Als Frau inmitten von Männern hat man/frau es nicht leicht. Aber vorweggeschickt kann ich nur sagen, dass mich diese manchmal sehr schweren Phasen für mein Leben geprägt haben! Positiv geprägt haben!
 

Wie vorher schon erwähnt bestand unser Dienststellenbereich aus drei aufeinander folgende Büros die man mit Zwischentüren auch hätte schließen können. Sie standen aber immer offen. Das "letzte" Büro befand sich im Flur zwischen Waschkaue und Lampenstubentreppe.

Es gab immer wieder Kollegen, die sich gerne im Steigerbad aufgehalten und dort "Schnäppschen" getrunken haben. Und aus "Schnäppschen" wurde mal ganz schnell "Schnaps" ... der Wirkung wegen.

Ich hatte an diesem besagten Tag an meinem Arbeitsplatz im letzten Büro ein Radio. Einem der Reviersteiger, der seinen Arbeitsplatz im ersten Büro hatte, der für den Übertagebetrieb zuständig war, gefiel gerade das Lied, das aus dem Radio leise ertönte nicht und er dachte, mir "befehlen" zu müssen, das Radio auszuschalten! Darauf reagierte ich schon deshalb nicht, weil er eigentlich zu diesem Zeitpunkt im "Betrieb" hätte sein sollen, nicht in dieses dritte Büro gehörte und ich mir schon damals nicht gerne etwas vorschreiben ließ. Er aber angeschickert. "Ausmachen! Oder ich werf et durch et Fenster!" Und damals hatten wir alle einen Spruch auf lager und der hieß "Feigling" Und unser "Fenster" war, wenn überhaupt ein Oberlicht, die "Wand" war aus Glasbausteinen, die den Gang zur und aus der Wachkaue vom Hof her zur Sicherheitsdienststelle trennte. Also gab es als "Fenster" nur dieses besagte Oberlicht. Ich nicht feige: "Feigling!"
Und schwupps ... das Radio befand sich in direktem Steilflug noch trällernd ... Manchmal möcht ich so gern mit dir ... durch das zerspringende Oberlicht. Ich bin direkt rausgelaufen, fand die Scherben aber kein Radio! Das muss jemand direkt aufgefangen und mitgenommen haben.


Ich hatte seitdem einen neuen, up to daten Radiorecorder, gesponsert von dem "Übertagereviersteiger"

Wenn man in fremde Taschen greift


Anekdote 2 Regina Weigel

Während der Ausbildung durchlief man beim EBV sämtliche Abteilungen und Betriebe.
So war ich auch in der Personalabteilung der Kokerei gelandet.
 
Dort gab es einen Kollegen, der kurz vor der Mittagspause immer telefonierte, seinen Namen nannte und nur VIER sagte! Kurz danach wurde eine Tasche durch den Schalter gereicht. In ihr befanden sich genau VIER Flaschen Bier.
Dieser Kollege trug IMMER einen blauen Kittel. In der rechten Tasche hatte er IMMER Erdnüsse.
 
Ein Kollege foppte ihn ständig. Und dieser wollte ihm diese besagten Erdnüsse klauen. Er hatte sich aber mit der Seite vertan, fasste in die falsche Tasche, wurde bleich, nahm den Inhalt und ging ohne ein Wort in sein Büro zurück. Kam nach kurzer Zeit mit einem Umschlag zurück auf dem stand der Name des anderen Kollegen und "Persönlich!", legte ihm dem Kollegen mit der Bemerkung: "Irrläufer" vor. Der "Kittel-Kollege" tastete den Umschlag ab (ahnte, dass der Kollege nichts Gutes im Schilde führte) und schmiss den Umschlag wütend auf den Boden mit den Worten: "Mein Hund frisst keine Knochen!" Seitdem wurden ihm ständig Hinweise zu Sekundenklebern auf den Tisch gelegt. Denn in diesem besagten Umschlag befand sich das Gebiss der Kittel-Kollegen!

Sonntag, 22. März 2015

Reparatur eines nagelneuen Kofferradios


Eine wahre Anekdote aus dem Jahr 1987



Dieter der Fördermaschinist war ein guter Kumpel. Sein größter Stolz war sein neues Transistor-Kofferradio. Mit leichter Musik im Hintergrund machte ihm die Arbeit doppelten Spaß. Eines Tages rief er mich ganz traurig an und erklärte mir, dass sein Radio keinen Pieps mehr mache. Er würde sich freuen wenn jemand mal danach sehen könnte. Ich fuhr also mit Nico dem Vorarbeiter (ein Elektronikgenie) hoch zur Fördermaschinenbühne. Wir überprüften das Kofferradio und wackelten mal am Kabel, aber das Ding gab keinen Ton ab. Also nahmen wir das Gerät mit zur Werkstatt, nicht ohne vorher Dieter zu versichern „dat kriegen wir schon widder am laufen“.



Nachdem wir das Radio aufgeschraubt hatten konnten wir den Fehler sofort sehen. Am Netzteil war ein Draht abgegangen (kalte Lötstelle). Nico lötete den Draht neu ein und als wir das Gerät eingesteckt hatten waren alle Funktionen wieder da.



Ich bemerkte ein mir nicht fremdes Grinsen bei Nico (das bekannte Schabernackgrinsen) als er emsig in seiner Werkbank-Schublade etwas suchte. Ich war sehr erstaunt als er mit einigen Widerständen, Dioden und Transistoren zurück zum Gerät kam. „Was ist los Nico? Das Gerät ist doch wieder in Ordnung“ fragte ich ihn erstaunt. Nicos Antwort war „ja schon, aber ein paar Bauteile mehr können doch nicht schaden“. Interessiert beobachtete ich wie Nico mehrere Bauteile (alle mit den Anschlussbeinchen auf der Masseleitung, also ohne jegliche Funktion) einlötete. Anschließend schraubte er den Deckel des Gerätes mit nur einer Schraube an. „frag nichts“ sagte er „es ist schon alles in Ordnung“.



Zusammen fuhren wir wieder hoch zur Fördermaschinenbühne. Nico steckte das Radio in die Steckdose der Fördermaschinen-kabine ein und es erklang sogleich ein uralter Schlager (ich glaube es waren die Caprifischer). Glücklich bedankte sich Dieter und stellte dann die Frage, auf die Nico nur gewartet hatte. „Wat war denn dran?“ Nico zog das Kabel aus der Steckdose und öffnete den Deckel des Gerätes. „Hier am Netzteil hatte sich ein Draht ausgelötet“ erklärte er Dieter. Dann sagte er „ich habe aber auch festgestellt das in dem Radio einige Bauteile zu viel sind“. Dann zog er seinen Saitenschneider aus der Tasche und schnitt vor den Augen des verblüfften Maschinisten einige elektrische Bauteile ab und legte sie anschließend auf den Tisch. Dann schraubte er in aller Seelenruhe das Radio (jetzt mit allen Schrauben) wieder zu.



Dieter war nahe an einem Herzinfarkt. Das einzige was er noch flüstern konnte war „bist du wirklich sicher, dass die Bauteile zu viel waren?“ Nico erwiederte nichts, sondern er nahm das Radio und steckte es wieder ein. Sofort war die angenehme Stimme der Radiosprecherin zu hören. „Ich sagte dir doch, da sind einige Bauteile zu viel“ sagte Nico.



Noch immer nicht ganz überzeugt stellte Dieter verschiedene Sender ein und drehte die Lautstärke kurz einmal rauf und runter. Er konnte nicht fassen, dass das Gerät einwandfrei funktionierte. Schnell verabschiedeten wir uns von Dieter und stiegen in den Personenaufzug. Nachdem wir 5 sec gefahren waren platzten wir beide vor Lachen aus. Die Story zog natürlich Kreise und war eine Woche lang das Thema Nummer 1.



Als die Kollegen Dieter über die wahren Hintergründe aufklärten musste selbst er herzhaft lachen.

Der verflixte Messroller





Ein Beitrag von Ralf Beckers
 
Der Elektriker Leo war für die Bergehalde zuständig.
 
Eines Tages gab es dort ein technisches Problem mit einem Nieder-spannungskabel. Das Kabel war beschädigt und musste ausgetauscht werden. Das Kabel war sehr lang und Leo sollte ausmessen wie lang genau es war.
 
Dazu gab es einen Messroller, der in einer Holzkiste verpackt war. Leo nahm das Messgerät heraus und ließ die Kiste auf seiner Werkbank stehen.
Nun ja........wie schon des öfteren beschrieben waren die Kollegen immer für einen kleinen Schabernack zuhaben. Das Unheil nahm seinen Lauf.........!  

Leo ging also zur Bergehalde ausmessen......... der Kollege Ralf öffnete die Kiste und sah die Holzklötzchen die zur Führung auf dem Boden der Kiste befestigt waren.Die Holzklötzchen ließen sich leicht abnehmen.............also raus damit und wahllos an anderer Stelle wieder befestigen. Es war klar, dass der Messroller nun nicht mehr in die Kiste reinpasste! Nach einiger Zeit kam Leo dann von der Halde zur E-Werkstatt zurück.

Als erstes wollte er, so dienstbeflissen wie er war,den Messroller ordnungsgemäß verstauen. Das war aufgrund des Eingriffs nicht mehr möglich...........Tja, ............Leo war ein Mensch der nicht schnell aufgab, so verging einige Zeit mit endlosen Versuchen in der er fluchte wie ein Rohrspatz. Er zweifelte an seinen Fähig-keiten. Dann verliess er kurz die E-Werkstatt. In der Zeit klopfte der Kollege Ralf die Klötze wieder an die vorgesehenen Stellen und schloss die Kiste! 

Jetzt kommt der Hammer..........Als Leo zurückkam nahm ihn Ralf beiseite und fragte, ob er helfen könne? Leo meinte, dass er wohl einen an der Waffel hätte...........er bekäme den Messroller nicht mehr in die Kiste hinein. Ralf nahm den Messroller, legte ihn in die Kiste und schloss den Deckel! Jetzt war Leo ganz perplex.........er rief das gibt es nicht....... Das wäre unmöglich, er hätte es eine ganze Zeit nicht hinbekommen! Tja Leo ........gekonnt ist gekonnt..!!!!










Donnerstag, 19. März 2015

Phasentausch oder der Hase und der Igel


Anekdote 3 Emil Mayrisch



Phasentausch    oder       der Hase und der Igel



Vorausschickend ist für alle Nicht-Elektriker folgendes wichtig. Wenn man im Klemmkasten von einem Drehstrommotor zwei Drähte tauscht (z.B an der Stelle wo vorher der blaue Draht war jetzt den schwarzen Draht anschließt und an der Stelle von dem schwarzen Draht nun den blauen anschließt) dann ändert sich seine Drehrichtung. Das ist deshalb auch wichtig zu wissen, weil man bei einem ganz neuen Motor (der zum erstenmal angeschlossen wird) nicht so ohne weiteres vorher weiß in welche Richtung er drehen wird. Man kann zur Änderung der Drehrichtung natürlich auch zwei Drähte im Sicherungskasten (meist im Schaltraum) tauschen. Wenn die Vorgabe eines einheitlichen Drehfeldes für alle Abgänge einer Verteilung nicht wichtig ist, werden die Phasen auch schon einmal im Sicherungskasten getauscht. Also was für den folgenden Fall wichtig ist, man kann die Phasen sowohl im Motor-Klemmkasten als auch im Sicherungskasten tauschen um die Drehrichtung eines Motors zu ändern.



An einem schönen Sommertag erhielten die Elektriker Jupp und Horst den Auftrag sich beim Meister auf dem Holzplatz zu melden. Es sollte dort der Drehstrommotor von einer Schneidemaschine ausgewechselt werden. Als die beiden auf dem Holzplatz ankamen wurden sie schon von den Schlossern erwartet. Die Schlosser hatten den neuen Motor bereits auf seinem Sockel befestigt und ausgerichtet. Wenn der Motor angeschlossen war und die richtige Drehrichtung vorlag wollten sie noch die Kupplungshälften verbinden.



Die beiden Elektriker wurden sich schnell einig. Der gutmütige (aber etwas schwerfällige) Jupp sollte den Motor anschließen und Horst (der Vorarbeiter), der an diesem Tag zum Scherzen aufgelegt war, sollte die Sicherungen im Schaltraum entfernen und dann ein Zeichen geben, wenn der Abgang spannungsfrei war.



Nachdem Jupp das Zeichen erhalten hatte und nun den Motor angeschlossen hatte gab er seinerseits das Zeichen, dass die Sicherungen wieder eingesetzt werden könnten. Nach einem kurzen Start des Motors war klar „der läuft falsch herum“. Also gab Jupp erneut das Zeichen zum Entfernen der Sicherungen.



Während Jupp nun zwei Drähte im Klemmkasten des Motors tauschte war Horst nicht untätig und tauschte seinerseits auch zwei Drähte im Sicherungskasten. Jupp gab erneut das Zeichen zum Einsetzen der Sicherungen und fing gerade an sein Werkzeug zusammen zu packen als einer der Schlosser näselte „der Motor läuft immer noch falsch herum“. Jupp griff sich an den Kopf „mmh ich habe doch die Drähte getauscht!“ Jupp war verunsichert. Er gab also erneut das Zeichen zum Entfernen der Sicherungen. 

Horst entfernte die Sicherungen und tauschte erneut zwei Drähte. Natürlich lief anschließend der Motor wieder „falsch herum“. Jupp verlor langsam den Glauben an die Elektrotechnik. Nach dem dritten Mal, ging Horst zum Ort des Geschehens und sagte zu Jupp „jetzt lass mal den Vorarbeiter ran, man muss eine gewisse Sensibilität für die Maschine mitbringen“. 

Die beiden Elektriker tauschten nun die Rollen, Jupp ging in den Schaltraum und entfernte die Sicherungen und Horst tauschte die beiden Drähte im Klemmkasten des Motors. Und ..... das Wunder geschah. Nach dem Einschalten lief der Motor richtig herum und die Schlosser konnten endlich die Kupplungshälften verbinden.

Erst Wochen später erklärte Horst seinem Kollegen was er im Schaltraum getrieben hatte während Jupp den Motor angeklemmt hat. Nun konnten beide über den Schabernack lachen und Jupp hatte wieder volles Vertrauen in seine Kenntnisse bezüglich der Elektrotechnik.






Porreepflänzchen



Regina Weigel-Riedel 

 

Dem lappe mer eeng

 

Gartenbau war ja auch immer ein Thema. Man hatte ja eigentlich immer Pflänzchen übrig. Einer, der nicht gerade sehr beliebt war, brauchte noch Porree-Pflänzchen, die er aber nicht kaufen wollte.



Zwei andere Kumpel wussten das. Rein "zufällig" fragte der eine den anderen vor dem Korb, auf die Anfahrt wartend: "Wat maat d´r Jaad? Ich han Planze ze völl ..." "Oh ... ich bruch keng! Wat haste da ze völl?" "Porree! Wenn de keng bruchs, werp ich se futt!" "




Der Poreepflanzenbedürftige hatte das Gespräch – wie von den beiden gewollt – natülich mitgehört und meldete sich nun zu Wort.



„Oh, Porree-Pflänzjer? Ich bruch noch Porree-Pflänzjere! Kann ich se net han, bevür Du se wegwirfst?" "Du? Jo ... wofür net! Kannste dir holle komme! Dese nomiddach sons werf ich se futt. Dann komme se ob dr Mess.!" „Nee, nee, ich komme se jern holle!  Wo wonnst de denn?" "Ich wonn en Busch - ....straße ... Nr ... Dat Törchen is op, kannste direkt jede zweide trecke.

Aber schell ja nit. Ming Frau lät sich des nommidags emmer do!" Gesagt getan ... er ging nachmittags in den Garten wie besprochen und fing an jedes 2. Porree-Pflänzchen zu ziehen. Dann vernahm er plötzlich einen Schrei einer Frau aus dem Haus "Was machen Sie denn da? Was tun Sie in unserem Garten?"



"Dr Heinz weeß bescheed, he hat Porree-Pflänzjere ze völl, ich kann mer die ustrecke!" "Heinz??? Welcher Heinz???!" "Ürre Mann!" "MEIN MANN??? Mein Mann heißt JUPP und nicht Heinz! JUPP hier reißt einer unsere Porree-Pflänzchen raus!"



Jeder kann sich vorstellen, was geschah als der Jupp plötzlich im Türrahmen stand. Man hatte ihn einfach zu einem anderen Kumpel geschickt, der leider auch nicht sehr beliebt war.










Mittwoch, 18. März 2015

Karatewahn


Anekdote 2 von Emil Mayrisch (diese Sachen sind alle wirklich genauso abgelaufen)

In den siebziger Jahren waren wir alle von den im Kino vorgestellten Karatefilmen infiziert. Jeder entdeckte in sich einen kleinen Bruce Lee oder Chuck Norris. So war es auch bei den Elektrikern ganz klar, dass nicht nur über die Karatefilme gesprochen sondern dabei tunlichst die zugehörigen Handbewegungen ausgeführt wurden.

Der Alltag hatte uns dann innerhalb der Arbeitszeit aber wieder schnell eingeholt. Die Elektriker Hans und Helmut bekamen an einem dieser Tage den Auftrag in der Lichthalle Leuchtstofflampen auszuwechseln. Kurz erklärt lief der Vorgang folgendermaßen ab: Hans stieg auf die Leiter nahm die Abdeckung der Leuchtstoffröhre ab und reichte sie nach unten wo Helmut sie in Empfang nahm und reinigte. Danach reichte Hans die defekte Leuchtstoffröhre nach unten und Helmut reichte ihm im Gegenzug eine zur Hälfte aus der Verpackung herausragende neue Leuchtstofflampe nach oben. In den nun leeren Verpackungskarton steckte Helmut dann die defekte Leuchtstofflampe und riss die Verpackung ein wenig ein, zum Zeichen das sich darin eine defekte Lampe befand. Zuletzt wurde die Lampenabdeckung dann wieder angebracht.

Später, nach getaner Arbeit wurden die defekten Leuchtstoffröhren dann in einem Container entsorgt. Dabei führte Helmut seine neuen Karatekenntnisse vor. Er bat Hans, die in der Verpackung steckende defekte Lampe weit zwischen seine beiden Hände zu nehmen und schlug dann (natürlich mit Handschuhen) mit seinen neu erworbenen Karateschlägen die Lampe über. Hans beobachtete mit zunehmender Freude die Aktionen des Kollegen.

An diesem Tag ging Hans nicht mit allen anderen zur Stempeluhr sondern verblieb noch ein paar Minuten alleine in der Werkstatt. Er nahm ein 15mm Rundeisen und sägte es in etwa auf die Länge einer Leuchtstoffröhre ab (etwa 4cm kürzer). Danach schob er die Rundeisenstange in einen eingerissenen Verpackungskarton der Leuchtstoffröhren. Er sorgte mit Isolierband und Restkarton dafür, dass sich die Eisenstange im Karton nicht lösen konnte. Erst jetzt ging Hans (zufrieden mit seinen Vorbereitungsarbeiten) zur Stempeluhr.

Am nächsten Tag war in der Pause wieder das Thema Karate angesagt. Hans berichtete in diesem Zusammenhang von den echt gut aussehenden Karateschlägen von Helmut. Nun wollten alle Kollegen sehen ob das denn wirklich so toll aussah. Lächelnd holte Hans seinen präparierten Karton von der Werkbank und forderte Helmut auf „es allen zu zeigen“. 

Mit den entsprechenden asiatischen Lautgeräuschen hob Helmut  zum alles vernichtenden Schlag (Gott sei Dank wieder mit Handschuhen) aus und schlug mit voller Wucht auf den Karton. Ein Mitleid erregendes Wimmern beendete die filmreife Vorführung.
 

Es war zum Glück noch einmal ohne Sani ausgegangen obwohl der blaue Fleck am nächsten Tag unübersehbar war. Die Begeisterung für Karate normalisierte sich sehr schnell bei Helmut. Die Kollegen waren aber noch lange von der Vorführung und ihren Auswirkungen begeistert.


Eine Wäsche-Kapriole


Anekdote 1.

Hans war ein Handwerker der ersten Stunde. Er war sehr früh bei den Elektrikern auf der Grube Emil Mayrisch im Übertagebetrieb untergekommen. Zu seinen überdurchschnittlichen Fähigkeiten als Elektriker kam eine gewisse Neigung zum Schabernack. Besonders freute es ihn wenn er seinen Vorgesetzten (den Steigern) einen Streich spielen konnte.

Der Reviersteiger Willi war ebenfalls ein Mann der ersten Stunde. Er war schon beim Abteufen der Schächte (nach dem Krieg) am Anfang der fünfziger Jahre dabei. Willi war ein zwar dominanter aber durchaus auch sehr menschlicher Steiger, will heißen, man konnte mit ihm über alles reden und er verfügte auch über eine geballte Ladung Humor.

Eine Lieblingsbeschäftigung von Hans war "Bomben bauen". Er war da ziemlich einfallsreich, was das Basteln von Krachern betraf. An diesem Morgen hatt er wieder so eine Bombe gebaut. Er ging aus dem Schaltraum 11m-Bühne raus in das Treppenhaus. Von da aus konnte er den Boden auf der 0m-Bühne sehen. Hans ließ seinen Kracher fallen und schon gab es einen gewaltigen Knall. Es
entstand  bei der Explosion eine große Staubwolke.

Einige Wäschearbeiter hatten den Knall in der Nähe des Schaltraumes natürlich gehört und die Staubwolke gesehen. Sie verständigten sofort den Elektrosteiger.

Hans, sah aus dem Fenster des Schaltraumes in der Wäsche, den Reviersteiger Willi auf die Wäsche zusteuern. Ab da hatte er jede Bewegung von Willi im Auge. 

Zuerst lief Willi alle Schalträume ab. Er schaute im 5,5KV- Schaltraum nach, anschließend im 500V-Schaltraum auf der 6m-Bühne und zuletzt im Schaltraum auf der 11m-Bühne. Hans hatte sich hinter einer Verteilung versteckt. Als Willi zu dem Schluss gekommen war, dass alles in Ordnung war (weil keine Maschine in der Wäsche gestört war), ging er wieder durch das Treppenhaus nach unten. Dabei fiel ihm die sich legende Staubwolke auf und er fand einige Reste von der selbstgebastelten Bombe.

" H a a a n s" rief er lauf vor Wut und stürmte zurück zum Schaltraum 11m-Bühne. Währenddessen hob Hans eine Bodenplatte vom Kabelkanal hoch und versteckte sich im Kabelkanal. 
Bei seiner Suche nach Hans sah Willi die abgehobene Bodenplatte und ihm war klar, dass Hans sich im Kabelkanal versteckte.

Willi hob die ihm am nächsten gelegene Bodenplatte hoch und stieg in den Kabelkanal ein. Er schaltete seine Taschenlampe ein und sah erstmal nicht viel. Vorsichtig tastete er sich auf dem Boden kriechend weiter vor. Nach einigen Metern vernahm er lautes Lachen. Hans der auf der gegenüberliegenden Seite die Suchaktion verfolgt hatte konnte nicht mehr an sich halten. Mit einem wütenden Knurren erhöhte Willi seine Kriechgeschwindigkeit und Hans machte das er schleunigst aus dem Kabelkanal herauskam. Rabenschwarz, wie ein Kumpel von Untertage, hievte sich Willi aus dem Kabelkanal.

Es begann eine rasante Verfolgungsjagd aus dem Schaltraum heraus, über die Verbindungsbrücke Sieberei – Wäsche in die Sieberei hinein. Als Hans die Ausgangstüre an den Bergebrechern erreicht hatte verließ er durch sie die Sieberei und verriegelte sie von außen. Als Willi die Türe erreichte und sie verschlossen vorfand erging er sich in wüste Beschimpfungen und versuchte die Türe mit Gewalt zu öffnen. Hans, auf der anderen Seite, war wieder zu Atem gekommen und war nun bereit seinen Schabernack weiterzuführen.

Er entriegelte die Türe und lief in Richtung Bergehalde (er war sich sicher, er war der bessere Läufer). Die Verfolgung spielte sich nun am sogenannten 1000m-Band der Bergetransportanlage ab. Bewusst ließ Hans seinen Verfolger immer näher an sich ran kommen bis er dann im letzten Moment einen schnellen Spurt startete. Diese Spiel wiederholte sich einige male und Willi musste einsehen, dass er Hans nicht einholen konnte.

Resigniert trat er den Rückweg zur Sieberei an. Am Schichtende, wenn alle Elektriker sich noch einmal zum Bericht trafen, würde er sich Hans schon schnappen. Als es soweit war musste er jedoch feststellen, dass Hans nicht da war. Hans hielt sich versteckt und ging erst eine Stunde später in Richtung Waschkaue. Die Stunde Verspätung nahm er gerne in Kauf für den Mordsspaß. Am anderen Tag war die Wut von Willi verraucht und beide konnten über den Vorfall nur noch lachen.