Mittwoch, 18. März 2015

Eine Wäsche-Kapriole


Anekdote 1.

Hans war ein Handwerker der ersten Stunde. Er war sehr früh bei den Elektrikern auf der Grube Emil Mayrisch im Übertagebetrieb untergekommen. Zu seinen überdurchschnittlichen Fähigkeiten als Elektriker kam eine gewisse Neigung zum Schabernack. Besonders freute es ihn wenn er seinen Vorgesetzten (den Steigern) einen Streich spielen konnte.

Der Reviersteiger Willi war ebenfalls ein Mann der ersten Stunde. Er war schon beim Abteufen der Schächte (nach dem Krieg) am Anfang der fünfziger Jahre dabei. Willi war ein zwar dominanter aber durchaus auch sehr menschlicher Steiger, will heißen, man konnte mit ihm über alles reden und er verfügte auch über eine geballte Ladung Humor.

Eine Lieblingsbeschäftigung von Hans war "Bomben bauen". Er war da ziemlich einfallsreich, was das Basteln von Krachern betraf. An diesem Morgen hatt er wieder so eine Bombe gebaut. Er ging aus dem Schaltraum 11m-Bühne raus in das Treppenhaus. Von da aus konnte er den Boden auf der 0m-Bühne sehen. Hans ließ seinen Kracher fallen und schon gab es einen gewaltigen Knall. Es
entstand  bei der Explosion eine große Staubwolke.

Einige Wäschearbeiter hatten den Knall in der Nähe des Schaltraumes natürlich gehört und die Staubwolke gesehen. Sie verständigten sofort den Elektrosteiger.

Hans, sah aus dem Fenster des Schaltraumes in der Wäsche, den Reviersteiger Willi auf die Wäsche zusteuern. Ab da hatte er jede Bewegung von Willi im Auge. 

Zuerst lief Willi alle Schalträume ab. Er schaute im 5,5KV- Schaltraum nach, anschließend im 500V-Schaltraum auf der 6m-Bühne und zuletzt im Schaltraum auf der 11m-Bühne. Hans hatte sich hinter einer Verteilung versteckt. Als Willi zu dem Schluss gekommen war, dass alles in Ordnung war (weil keine Maschine in der Wäsche gestört war), ging er wieder durch das Treppenhaus nach unten. Dabei fiel ihm die sich legende Staubwolke auf und er fand einige Reste von der selbstgebastelten Bombe.

" H a a a n s" rief er lauf vor Wut und stürmte zurück zum Schaltraum 11m-Bühne. Währenddessen hob Hans eine Bodenplatte vom Kabelkanal hoch und versteckte sich im Kabelkanal. 
Bei seiner Suche nach Hans sah Willi die abgehobene Bodenplatte und ihm war klar, dass Hans sich im Kabelkanal versteckte.

Willi hob die ihm am nächsten gelegene Bodenplatte hoch und stieg in den Kabelkanal ein. Er schaltete seine Taschenlampe ein und sah erstmal nicht viel. Vorsichtig tastete er sich auf dem Boden kriechend weiter vor. Nach einigen Metern vernahm er lautes Lachen. Hans der auf der gegenüberliegenden Seite die Suchaktion verfolgt hatte konnte nicht mehr an sich halten. Mit einem wütenden Knurren erhöhte Willi seine Kriechgeschwindigkeit und Hans machte das er schleunigst aus dem Kabelkanal herauskam. Rabenschwarz, wie ein Kumpel von Untertage, hievte sich Willi aus dem Kabelkanal.

Es begann eine rasante Verfolgungsjagd aus dem Schaltraum heraus, über die Verbindungsbrücke Sieberei – Wäsche in die Sieberei hinein. Als Hans die Ausgangstüre an den Bergebrechern erreicht hatte verließ er durch sie die Sieberei und verriegelte sie von außen. Als Willi die Türe erreichte und sie verschlossen vorfand erging er sich in wüste Beschimpfungen und versuchte die Türe mit Gewalt zu öffnen. Hans, auf der anderen Seite, war wieder zu Atem gekommen und war nun bereit seinen Schabernack weiterzuführen.

Er entriegelte die Türe und lief in Richtung Bergehalde (er war sich sicher, er war der bessere Läufer). Die Verfolgung spielte sich nun am sogenannten 1000m-Band der Bergetransportanlage ab. Bewusst ließ Hans seinen Verfolger immer näher an sich ran kommen bis er dann im letzten Moment einen schnellen Spurt startete. Diese Spiel wiederholte sich einige male und Willi musste einsehen, dass er Hans nicht einholen konnte.

Resigniert trat er den Rückweg zur Sieberei an. Am Schichtende, wenn alle Elektriker sich noch einmal zum Bericht trafen, würde er sich Hans schon schnappen. Als es soweit war musste er jedoch feststellen, dass Hans nicht da war. Hans hielt sich versteckt und ging erst eine Stunde später in Richtung Waschkaue. Die Stunde Verspätung nahm er gerne in Kauf für den Mordsspaß. Am anderen Tag war die Wut von Willi verraucht und beide konnten über den Vorfall nur noch lachen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen