Samstag, 27. August 2016

Dem lappe mer eeng

Regina Weigel-Riedel 

 

Dem lappe mer eeng

 

Gartenbau war ja auch immer ein Thema. Man hatte ja eigentlich immer Pflänzchen übrig. Einer, der nicht gerade sehr beliebt war, brauchte noch Porree-Pflänzchen, die er aber nicht kaufen wollte.



Zwei andere Kumpel wussten das. Rein "zufällig" fragte der eine den anderen vor dem Korb, auf die Anfahrt wartend: "Wat maat d´r Jaad? Ich han Planze ze völl ..." "Oh ... ich bruch keng! Wat haste da ze völl?" "Porree! Wenn de keng bruchs, werp ich se futt!" "




Der Poreepflanzenbedürftige hatte das Gespräch – wie von den beiden gewollt – natülich mitgehört und meldete sich nun zu Wort.



„Oh, Porree-Pflänzjer? Ich bruch noch Porree-Pflänzjere! Kann ich se net han, bevür Du se wegwirfst?" "Du? Jo ... wofür net! Kannste dir holle komme! Dese nomiddach sons werf ich se futt. Dann komme se ob dr Mess.!" „Nee, nee, ich komme se jern holle!  Wo wonnst de denn?" "Ich wonn en Busch - ....straße ... Nr ... Dat Törchen is op, kannste direkt jede zweide trecke.

Aber schell ja nit. Ming Frau lät sich des nommidags emmer do!" Gesagt getan ... er ging nachmittags in den Garten wie besprochen und fing an jedes 2. Porree-Pflänzchen zu ziehen. Dann vernahm er plötzlich einen Schrei einer Frau aus dem Haus "Was machen Sie denn da? Was tun Sie in unserem Garten?"



"Dr Heinz weeß bescheed, he hat Porree-Pflänzjere ze völl, ich kann mer die ustrecke!" "Heinz??? Welcher Heinz???!" "Ürre Mann!" "MEIN MANN??? Mein Mann heißt JUPP und nicht Heinz! JUPP hier reißt einer unsere Porree-Pflänzchen raus!"



Jeder kann sich vorstellen, was geschah als der Jupp plötzlich im Türrahmen stand. Man hatte ihn einfach zu einem anderen Kumpel geschickt, der leider auch nicht sehr beliebt war.










Dienstag, 23. August 2016

Wenn die Elektriker Hunger haben (eine wahre Begebenheit)

Anekdote 4 Emil Mayrisch





Für Essen ist gesorgt



Der Betreiber der Kantine auf Emil Mayrisch war die Westkauf GmbH. Die Leitung der Kantine oblag einer schon etwas älteren aber sehr resoluten Dame. Wenn ich mich recht erinnere hieß sie Swigon oder so ähnlich



Da die Westkauf GmbH sozusagen ein eigener Betrieb in unserem Betrieb war musste sie (wenn es nach dem Vertrag ging) bei einer elektrischen Störung eine Fremdfirma zur Behebung des Schadens beauftragen.

Eines Tages, es war auf der Mittagschicht, funktionierte ein elektrischer Warmhaltekessel nicht mehr. Die resolute Frau Swigon rief bei mir an und bat mich „ausnahmsweise“ einmal einen Elektriker aus unserer Werkstatt vorbeizuschicken „ich werde mich auch erkenntlich zeigen“ fügte sie der Bitte noch hinzu.

Durch diese Aussage motiviert schickte ich sogar zwei Elektriker zur Kantine mit dem Auftrag „einmal nach dem rechten zu sehen“. Für unsere Elektriker war das Problem schnell erkannt (eine Sicherung hatte im Schaltraum ausgelöst). Die Wiederherstellung der Funktion wäre also (wenn das Gerät nicht selbst auch einen Fehler hätte) in Sekunden möglich gewesen. Nichts desto Trotz gingen die Elektriker zur Kantine zurück (sie hatten keine neue Sicherung eingeschraubt, im Gegenteil sie hatten alle Sicherungen entfernt). Mit gewichtigen Minen und sehr vielen Fachausdrücken schraubten sie unwichtige Teile des Warmhaltekessels ab und unterhielten sich über die wahrscheinliche Ursache des Fehlers. Frau Swigon hatte durch dieses Gespräch bereits die Hoffnung aufgegeben, dass die Reparatur noch gelingen könnte. Nach einer halben Stunde gefrickel ging einer der Elektriker im Schaltraum wieder die Sicherungen einsetzen. Als er wieder zurück war wurde noch einmal mit dem Spannungsprüfer die vorhandene Spannung überprüft und schließlich das Gerät eingeschaltet. „Nun müssen wir aber noch ca. eine halbe Stunde warten und sehen ob der Fehler wirklich weg ist“ meinte der eine Elektriker zum anderen. Frau Swigon die mitgehört hatte versuchte den Elektrikern die Wartezeit zu verschönern indem sie ihnen zuerst einmal kühle Getränke anbot (natürlich kostenfrei). Nachdem nach einer halben Stunde die Würstchen wieder heiß waren und es keinerlei Fehlfunktion mehr gab bekamen beide Elektriker noch je ein Würstchen kostenlos. Anschließend rief Frau Swigon bei mir an und bedankte sich für die prompte Hilfe.

Du fragst dich jetzt sicherlich „ob das fair von uns war“. Natürlich war das fair, eine Fremdfirma hätte neben dem Arbeitslohn auch noch Fahrtkosten berechnet und am Ende hätte sie gar nichts tun können weil der Fehler ja in unserem Schaltraum lag (und da kamen sie nicht rein).

Die Frage nach der Fairniss der anschließenden Verfahrensweise kann jedoch gestellt werden, denn ab diesem Zeitpunkt hatte der Warmhaltekessel schon einmal häufiger einen Fehler (immer dann wenn wir ihn im Schaltraum abgeschaltet hatten). Und die Moral von der Geschicht?    Für unser Essen auf der Mittagschicht war des öfteren durch „Behebung der „Störung“ am Warmhaltekessel“ gesorgt. Natürlich haben wir auch die echten Störungen ab diesem Zeitpunkt immer behoben. Es musste auf unserer Schicht nie mehr eine Fremdfirma gerufen werden. So hat sich alles am Ende ausgeglichen und alle waren zufrieden.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Wahre Schmunzelgeschichten für Alsdorfer Bürger

Wahre Schmunzelgeschichten aus den 50er-Jahren. Empfehlung für einen mit großem Anteil an Bildmaterial unterlegten Vortrag durch ein Alsdorfer Urgestein.

Welch eine außergewöhnliche Zeit waren doch die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Wenn Sie auch gerne in Erinnerungen schwelgen oder als junger Mensch neugierig sind wie Ihre Großeltern und Eltern sich in dieser Zeit gegeben haben gibt es hier in Alsdorf eine gute Adresse die dieses ermöglicht.

Der Autor: Der Alsdorfer, Franz Swoboda, Jahrgang 1945, war 17 Jahre als Geschäftsführer beim TÜV  Saarland tätig. Seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben im Jahre 2010,  beschäftigt er sich  intensiv mit den Lebensgewohnheiten und der wirtschaftlichen Situation der Menschen, besonders in den Anfängen der 1950er Jahre. Seit nunmehr vier Jahren, hält er Vorträge zu diesem Thema und erweitert ständig, durch Anregungen von Teilnehmern, sein umfangreiches Wissen über diese Zeit.

Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben schreiben Sie mir bitte eine Email  an  alex-palm@t-online.de oder posten sie Ihr Interesse auf meiner facebook-Seite (Alexander Palm). Wenn sich 30 Mann gemeldet haben werden wir einen Termin festlegen für den ca. 45 minütigen Vortrag. Eine Location innerhalb der Stadt Alsdorf wird dann genauso bekannt gegeben wie ein evtl. geringer Obulus (aber nur wenn der Wirt sich nicht auf den Verzehr alleine einlässt). Ich kann euch diesen Vortrag nur wärmstens empfehlen. Außerdem lernen wir uns dann auch einmal persönlich kennen. Ich bin jedenfalls dabei.

Bis dahin, weiterhin viel Spaß   euer Alex

Mittwoch, 25. März 2015

Sommerspaß


Sommerspaß

Endlich Sommer. Manchmal war es in der Sieberei oder Wäsche so warm, dass man sehr gerne die Arbeits-Schutzkleidung abgelegt hätte. Das war jedoch nicht immer machbar. Also verschafften sich manche Kollegen die nötige Abkühlung an den verschiedenen Waschbecken oder sonstigen Wasser-Entnahmestellen. Einige hatten zur Abkühlung auch einen Eimer mit Wasser in der Nähe der Arbeitsstelle.
Welche erfrischende Wirkung eine Kaltwasserdusche bei heißem Wetter hat weiß jeder wohl zu schätzen.

Die Schlosser und Elektriker waren dann in Bezug auf Erfrischungen immer sehr kreativ. Im Betrieb gab es sehr viele Türen. Einige davon wurden zu einem Spalt von ca. 30cm geöffnet und dann auf der Oberkante der Tür ein Eimer mit kaltem Wasser abgestellt. Der Nächste, der die Tür öffnete bekam dann (zwar unfreiwillig) eine kostenlose Kaltdusche.

Hans, der Wäscheelektriker wollte an einem schönen Tag seinem Sieberei-Kollegen eine Abkühlung verschaffen und hatte über der Türe vom Ausgang der Sieberei bereits den Eimer in Stellung gebracht. Er bezog seinen Beobachtungsposten im Wäscheschaltraum, wählte die Nummer seines Sieberei-Kollegen und bat ihn um Hilfe bei einer Erdschlußsuche. Voller Vorfreude stellte er sich gut sichtbar an ein Fenster.

Kurz danach öffnete sich die Tür und .................. der Fahrsteiger Wäsche bekam eine nicht erwünschte Abkühlung. Dumm gelaufen, denn der Fahrsteiger hatte den lachenden Hans am Fenster gesehen.
Der mittlerweile eingetroffene Sieberei-Kollege erhielt den Auftrag, Hans auf ein längeres Gespräch mit dem Fahrsteiger vorzubereiten. Danach stampfte der Fahrsteiger in Richtung Kaue und besorgte sich trockene Arbeitskleidung.

Auch wenn es manchmal komisch aussah, war es gut im Sommer, Türen erst einmal mit einem Besen oder einer Stange aufzudrücken.




Dienstag, 24. März 2015

Der übermütige Kavalier


Anekdote 5 Regina Weigel


Ich hatte beim EBV verschiedene, aber immer sehr nette Vorgesetzte.
Aber hier ein Anekdötchen über einen meiner Chefs.
Wir hatten Weihnachtsfeier und feierten diese am Göbbels-Stadion in Schaufenberg bei ... (jetzt fällt mir der Name nicht mehr ein). War sehr schön. Mein Chef und ich wohnten damals im selben Ort. Er hatte gerade einen neuen Mercedes und ich gerade frisch den Führerschein. Da er etwas getrunken hatte, schlug er vor, dass ich "uns" nach Hause fahre.
Gesagt ... getan ... Als ich auf seine Einfahrt biegen wollte, protestierte er... ich solle mich nach Hause fahren. Die paar Meter zurück könne er schon fahren. "Da passiert schon nix mehr!"


Mein Widerspruch schlug ins Leere und ich fuhr mich nach Hause. Montags wurde ich bombadiert ... und ... seid Ihr gut nach Hause gekommen? Und ... wie hast Du Dich gefühlt mit dem neuen Schlitten fahren zu dürfen? ... Ich fand das ganz normal und ok.

Aber dann kam mein Chef ... ziemlich langes Gesicht ... wir hatten alle keine Erklärung dafür. Einer meiner Kollegen, der immer vorpräschte: "Watt is? Is wat passiert?" Daraufhin strömten alle anderen auch in das Büro (wir hatten drei hintereinander liegende Büros deren Türen immer offen standen). "Also, dat Reginchen hat uns gut nach Hause gebracht. Aber ich wollte nicht, dass sie durch die Dunkelheit laufen musste, deshalb sind wir zuerst zu ihr gefahren und ich hab dann unser Vordach abgerissen. Reginchen .... nimmst Du mich gleich mit nach Hause? Mein Auto ist in der Werkstatt! Und jetzt haltet ja die Klappe und fangt endlich mal an zu arbeiten!!!"


Die Polizei, dein Freund und Helfer. Eine hat immer das letzte Wort.


Anekdote 1 Regina Weigel

Der Sicherheitsdienst und deren Mitarbeiter wurden leider nicht immer gerne im laufenden Betrieb gesehen und wurden leider oftmals nur stirnrunzelnd als Störenfriede empfangen.
Mein damaliger Chef sprach immer eine sehr deutliche aber "herzliche" Bergmannssprache. Was ihn nicht unbedingt beliebt machte, was dazu führte, dass er bei einer Betriebsfeier einer besonderen Be(ob)achtung unterlag.
So hatten ganz liebe Kumpel die "Freunde und Helfer" informiert, dass jemand ein bisschen tiefer ins Glas geschaut hat und später sein Fahrzeug garantiert persönlich zu Hause postieren wird.

Sie legten sich auf die Lauer ... und da es dauerte und dauerte, klingelten sie dessen Ehefrau aus dem Bett und erkundigten sich, ob der mutmaßliche Täter nicht vielleicht schon zu Bett läge. Sie verneinte dies und sie bezogen wieder ihre Stellung. Da allerdings inzwischen der Schichtwechsel vor der Tür stand, gaben sie ihren Posten unvollendeter Dinge auf und fuhren zu ihrer Dienststelle zurück.
Inzwischen kam der Gesuchte zu Hause an und wurde von seiner Frau aufgeregt empfangen: "Wo warst Du, was hast Du gemacht? Die Polizei war hier und hat sich nach Dir erkundigt!" "WAS??? DIE POLIZEI??? HIER???" Sprachs und verschwand ... Direkt zur Polizeiwache!!! "Mein Name ist .............. ! Was liegt hier gegen mich vor?" Der Polizeibeamte: "Wie sind Sie denn hier her gekommen?" "Ich? Mit meinem Mercedes natürlich!" ... schwupps ... Seitdem hatte sein Führerschein einen Balken


Anekdote 2
Na ja ... damals lief man ja tatsächlich noch öfter zur Post. Handy, Internet usw. war kaum vertreten.
Spricht mich ein Kollege an, wir mochten uns nicht wirklich! "Fräulein Riedel, was machen Sie eigentlich um 12.00 Uhr (Pause war erst ab 12.30 Uhr) an der Post?" "Ich an der Post???? Wer will mich denn da gesehen haben?" Er: "Ich!!" Ich: "Und was machen Sie um 12.00 Uhr an der Post?" "Das ist ja eine Unverschämtheit! Sie müssen ja wohl immer das letzte Wort haben!!" Ich: "Das liegt ja wohl nicht an mir! Woher soll ich denn wissen, dass Sie nichts mehr sagen wollen!" Er: "Dä!! Schon wieder!!!!"""


Mordanschlag im Morgengrauen. Wenn der Streich nach hinten los geht.


Anekdote 10 Emil Mayrisch  „Mordanschlag im Morgengrauen“

6:25 Uhr, die Frühschicht auf Emil Mayrisch war noch sehr jung. Es war ein triester Herbsttag. Die Frühnebel schlängelten sich in Schlieren um die hohen Mastleuchten an der Verladestelle vor der Wäsche. Hans, der Wäscheelektriker, öffnete eines der Fenster im Schaltraum und sah noch etwas verschlafen dem Treiben der Loks auf den Schienensträngen zu. Nach einer Weile schweifte sein Blick auf die ungefähr 30m gegenüber liegende Schlosserwerkstatt. Die Fenster der Werkstatt zeigten noch ein gedämpftes Licht und es war auch nicht das obligatorische Flackern, der durch die Schweißmaschinen erzeugten Blitze, zu sehen. „Die haben wohl heute keine Lust“, dachte Hans.
Auf dem Tisch sah er zufällig 3 defekte Schmelzsicherungseinsätze 25A liegen. In diesem Moment fasste Hans einen folgenschweren Entschluss. Er wollte die Schlosser nur ein wenig erschrecken damit sie in die Gänge kämen. Er griff nach einem der Schmelzeinsätze, ging zum Fenster, zielte und warf die Sicherung in Richtung Fenster der Schlosserwerkstatt.

Ortswechsel:
Gegen 6:25 Uhr öffnete der Schlossersteiger Günter die Türe zur Werkstatt. „Wieso ist das hier so dunkel und warum sitzt ihr alle noch hier herum?“ lautete seine Begrüßung. „Glück auf Steiger, es funktioniert nur noch eine Lampe und wir haben auch keine Spannung auf den Schweißgeräten“, stellte der Vorarbeiter Karl-Heinz klar. „Habt ihr die Elektriker scho.........“.
Rumms........., plötzlich gab es einen lauten Schlag der von einem seltsamen Klirren begleitet wurde. Der Schlosser der direkt neben dem Fenster stand hatte sich der Länge nach auf den Boden geworfen und auch allen anderen stand der Schreck im Gesicht. Durch ein faustgroßes Loch strömte kalte Luft in die Werkstatt. Vorsichtig näherten sich einige Schlosser dem defekten Fenster und versuchten draußen etwas zu erkennen. „Licht aus“, ertönte die Stimme des Steigers und einen Moment später erlosch das Licht. Außer dem normalen Schienenverkehr war draußen keinerlei Bewegung feststellbar.

Etwa im gleichen Moment klingelte im Schaltraum Wäsche das Telefon. Hans befürchtete, dass er bei seinem „Anschlag“ beobachtet worden war und ließ es zunächst einmal klingeln. Der Anrufer verfügte jedoch über ein hartnäckiges Maß an Geduld  so das Hans schließlich doch abhob. „Hallo Hans“, hörte er seinen Steiger sagen „der Siebereielektriker hat zur Zeit eine Störung in der Beschickung, deshalb wäre es gut wenn du mal kurz zur Schlosserwerkstatt gehen könntest, die haben keine Spannung“. „Ja, mache ich sofort“, sagte Hans und hängte ein. Mit Werkzeugtasche und Meßgerät machte er sich auf den Weg zum Ort des „Anschlags“.

Als er die Schlosserwerkstatt betrat waren die Schlosser gerade in einer erregten Diskussion. Hans grüßte kurz und ging zum Sicherungsverteiler. Direkt neben dem Sicherungsverteiler auf dem Boden erblickte er „seine 25A-Sicherung“. Da die Schlosser nicht auf ihn achteten hob er sie auf und steckte sie in die Tasche.
„Das war eindeutig ein Schuss“, sagte einer der Schlosser. „Quatsch doch nicht so einen Blödsinn“, erwiderte prompt ein anderer Kollege. „Wie sonst erklärst du dir denn das Loch in Scheibe“? wurde direkt gefragt. „Solange die Sache nicht geklärt ist, arbeite ich hier keine Sekunde mehr“, ließ sich ein Dritter hören. Der Steiger stand ziemlich unter Druck seiner ängstlichen Mitarbeiter. Inzwischen hatte Hans neue Sicherungen eingedreht und das Licht wieder eingeschaltet. Sein ganzes Denken drehte sich nun um das gehörte und er beschloss einige Vorschläge zu machen, damit die Schlosser den Gedanken an einen Schuss aufgeben würden. „Also Leute, ich habe Teile eures Gespräches zwangsläufig mitbekommen. Wenn hier wirklich geschossen wurde muss ja das Projektil hier in der Werkstatt zu finden sein“. Der Steiger sprang auf diese Bemerkung sofort an und wies sein Leute an, mit der Suche  nach dem Geschoss zu beginnen. Unter Berücksichtigung möglicher Schusswinkel wurden die entsprechenden Stellen genau in Augenschein genommen. Aber selbst nach gründlicher Suche konnte kein Projektil gefunden werden. Hans versuchte eine Erklärung zu liefern, dass z.B. ein Stein der auf den Schienen lag von einem vorbeifahrenden Zug unglücklich in Richtung Fenster befördert wurde und dann vom Fenster abgeprallt sei. Die Schlosser entgegneten jedoch, „dann müßte der Stein ja in der Werkstatt liegen, weil er das Fenster durchschlagen hat“. Die Situation war für Hans nicht mehr zu retten. Selbst nach längerer Diskussion verlangten die Schlosser von ihrem Steiger, dass er den Sicherheitsdienst oder sogar die Polizei über den Anschlag verständigen müsse. Mit diesem „Auftrag“ verließ der Steiger die Werkstatt in Richtung Büro.

Reumütig und schweren Herzens kehrte Hans in den Schaltraum zurück und rief nun seinen Steiger an. Er schilderte ihm kurz die wahren Begebenheiten und bat ihn den Schlossersteiger von seinem Vorhaben abzubringen. Der Elektrosteiger klärte den Fall bei seinem Steigerkollegen auf und bat ihn, die Sache nicht an die große Glocke zu hängen.
Am Ende der Schicht hatte Hans dann noch ein eindringliches Gespräch mit seinem Vorgesetzten. Die Schlosser wurden informiert, dass der Fall geklärt wurde und es sich nicht um einen Mordanschlag handelte. Mit dieser vorläufigen Erklärung mussten sie sich eine Woche lang zufrieden geben (damit ihre Wut abklingen konnte).
Als Hans eine Woche später auf der Mittagschicht die Schlosser zum Grillen eingeladen hatte und ihnen bei dieser Gelegenheit die Wahrheit erzählte konnten schon wieder alle über den Vorfall lachen. Mittlerweile war auch die defekte Scheibe durch eine neue ersetzt worden.