Anekdote 4 Emil Mayrisch
Für Essen ist gesorgt
Der Betreiber der Kantine auf Emil Mayrisch war die Westkauf
GmbH. Die Leitung der Kantine oblag einer schon etwas älteren aber sehr
resoluten Dame. Wenn ich mich recht erinnere hieß sie Swigon oder so ähnlich
Da die Westkauf GmbH sozusagen ein eigener Betrieb in
unserem Betrieb war musste sie (wenn es nach dem Vertrag ging) bei einer
elektrischen Störung eine Fremdfirma zur Behebung des Schadens beauftragen.
Eines Tages, es war auf der Mittagschicht, funktionierte ein
elektrischer Warmhaltekessel nicht mehr. Die resolute Frau Swigon rief bei mir
an und bat mich „ausnahmsweise“ einmal einen Elektriker aus unserer Werkstatt
vorbeizuschicken „ich werde mich auch erkenntlich zeigen“ fügte sie der Bitte
noch hinzu.
Durch diese Aussage motiviert schickte ich sogar zwei
Elektriker zur Kantine mit dem Auftrag „einmal nach dem rechten zu sehen“. Für
unsere Elektriker war das Problem schnell erkannt (eine Sicherung hatte im
Schaltraum ausgelöst). Die Wiederherstellung der Funktion wäre also (wenn das
Gerät nicht selbst auch einen Fehler hätte) in Sekunden möglich gewesen. Nichts
desto Trotz gingen die Elektriker zur Kantine zurück (sie hatten keine neue
Sicherung eingeschraubt, im Gegenteil sie hatten alle Sicherungen entfernt).
Mit gewichtigen Minen und sehr vielen Fachausdrücken schraubten sie unwichtige
Teile des Warmhaltekessels ab und unterhielten sich über die wahrscheinliche
Ursache des Fehlers. Frau Swigon hatte durch dieses Gespräch bereits die
Hoffnung aufgegeben, dass die Reparatur noch gelingen könnte. Nach einer halben
Stunde gefrickel ging einer der Elektriker im Schaltraum wieder die Sicherungen
einsetzen. Als er wieder zurück war wurde noch einmal mit dem Spannungsprüfer
die vorhandene Spannung überprüft und schließlich das Gerät eingeschaltet. „Nun
müssen wir aber noch ca. eine halbe Stunde warten und sehen ob der Fehler
wirklich weg ist“ meinte der eine Elektriker zum anderen. Frau Swigon die
mitgehört hatte versuchte den Elektrikern die Wartezeit zu verschönern indem
sie ihnen zuerst einmal kühle Getränke anbot (natürlich kostenfrei). Nachdem
nach einer halben Stunde die Würstchen wieder heiß waren und es keinerlei
Fehlfunktion mehr gab bekamen beide Elektriker noch je ein Würstchen kostenlos.
Anschließend rief Frau Swigon bei mir an und bedankte sich für die prompte
Hilfe.
Du fragst dich jetzt sicherlich „ob das fair von uns war“.
Natürlich war das fair, eine Fremdfirma hätte neben dem Arbeitslohn auch noch
Fahrtkosten berechnet und am Ende hätte sie gar nichts tun können weil der
Fehler ja in unserem Schaltraum lag (und da kamen sie nicht rein).
Die Frage nach der Fairniss der anschließenden
Verfahrensweise kann jedoch gestellt werden, denn ab diesem Zeitpunkt hatte der
Warmhaltekessel schon einmal häufiger einen Fehler (immer dann wenn wir ihn
im Schaltraum abgeschaltet hatten). Und die Moral von der
Geschicht? Für unser Essen auf der Mittagschicht war
des öfteren durch „Behebung der „Störung“ am Warmhaltekessel“ gesorgt.
Natürlich haben wir auch die echten Störungen ab diesem Zeitpunkt immer
behoben. Es musste auf unserer Schicht nie mehr eine Fremdfirma gerufen
werden. So hat sich alles am Ende ausgeglichen und alle waren zufrieden.

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