Donnerstag, 19. März 2015

Phasentausch oder der Hase und der Igel


Anekdote 3 Emil Mayrisch



Phasentausch    oder       der Hase und der Igel



Vorausschickend ist für alle Nicht-Elektriker folgendes wichtig. Wenn man im Klemmkasten von einem Drehstrommotor zwei Drähte tauscht (z.B an der Stelle wo vorher der blaue Draht war jetzt den schwarzen Draht anschließt und an der Stelle von dem schwarzen Draht nun den blauen anschließt) dann ändert sich seine Drehrichtung. Das ist deshalb auch wichtig zu wissen, weil man bei einem ganz neuen Motor (der zum erstenmal angeschlossen wird) nicht so ohne weiteres vorher weiß in welche Richtung er drehen wird. Man kann zur Änderung der Drehrichtung natürlich auch zwei Drähte im Sicherungskasten (meist im Schaltraum) tauschen. Wenn die Vorgabe eines einheitlichen Drehfeldes für alle Abgänge einer Verteilung nicht wichtig ist, werden die Phasen auch schon einmal im Sicherungskasten getauscht. Also was für den folgenden Fall wichtig ist, man kann die Phasen sowohl im Motor-Klemmkasten als auch im Sicherungskasten tauschen um die Drehrichtung eines Motors zu ändern.



An einem schönen Sommertag erhielten die Elektriker Jupp und Horst den Auftrag sich beim Meister auf dem Holzplatz zu melden. Es sollte dort der Drehstrommotor von einer Schneidemaschine ausgewechselt werden. Als die beiden auf dem Holzplatz ankamen wurden sie schon von den Schlossern erwartet. Die Schlosser hatten den neuen Motor bereits auf seinem Sockel befestigt und ausgerichtet. Wenn der Motor angeschlossen war und die richtige Drehrichtung vorlag wollten sie noch die Kupplungshälften verbinden.



Die beiden Elektriker wurden sich schnell einig. Der gutmütige (aber etwas schwerfällige) Jupp sollte den Motor anschließen und Horst (der Vorarbeiter), der an diesem Tag zum Scherzen aufgelegt war, sollte die Sicherungen im Schaltraum entfernen und dann ein Zeichen geben, wenn der Abgang spannungsfrei war.



Nachdem Jupp das Zeichen erhalten hatte und nun den Motor angeschlossen hatte gab er seinerseits das Zeichen, dass die Sicherungen wieder eingesetzt werden könnten. Nach einem kurzen Start des Motors war klar „der läuft falsch herum“. Also gab Jupp erneut das Zeichen zum Entfernen der Sicherungen.



Während Jupp nun zwei Drähte im Klemmkasten des Motors tauschte war Horst nicht untätig und tauschte seinerseits auch zwei Drähte im Sicherungskasten. Jupp gab erneut das Zeichen zum Einsetzen der Sicherungen und fing gerade an sein Werkzeug zusammen zu packen als einer der Schlosser näselte „der Motor läuft immer noch falsch herum“. Jupp griff sich an den Kopf „mmh ich habe doch die Drähte getauscht!“ Jupp war verunsichert. Er gab also erneut das Zeichen zum Entfernen der Sicherungen. 

Horst entfernte die Sicherungen und tauschte erneut zwei Drähte. Natürlich lief anschließend der Motor wieder „falsch herum“. Jupp verlor langsam den Glauben an die Elektrotechnik. Nach dem dritten Mal, ging Horst zum Ort des Geschehens und sagte zu Jupp „jetzt lass mal den Vorarbeiter ran, man muss eine gewisse Sensibilität für die Maschine mitbringen“. 

Die beiden Elektriker tauschten nun die Rollen, Jupp ging in den Schaltraum und entfernte die Sicherungen und Horst tauschte die beiden Drähte im Klemmkasten des Motors. Und ..... das Wunder geschah. Nach dem Einschalten lief der Motor richtig herum und die Schlosser konnten endlich die Kupplungshälften verbinden.

Erst Wochen später erklärte Horst seinem Kollegen was er im Schaltraum getrieben hatte während Jupp den Motor angeklemmt hat. Nun konnten beide über den Schabernack lachen und Jupp hatte wieder volles Vertrauen in seine Kenntnisse bezüglich der Elektrotechnik.






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