Anekdote 3 Emil Mayrisch
Phasentausch
oder der Hase und der Igel
Vorausschickend ist für alle Nicht-Elektriker folgendes
wichtig. Wenn man im Klemmkasten von einem Drehstrommotor zwei Drähte tauscht
(z.B an der Stelle wo vorher der blaue Draht war jetzt den schwarzen Draht
anschließt und an der Stelle von dem schwarzen Draht nun den blauen anschließt)
dann ändert sich seine Drehrichtung. Das ist deshalb auch wichtig zu wissen,
weil man bei einem ganz neuen Motor (der zum erstenmal angeschlossen wird)
nicht so ohne weiteres vorher weiß in welche Richtung er drehen wird. Man kann
zur Änderung der Drehrichtung natürlich auch zwei Drähte im Sicherungskasten
(meist im Schaltraum) tauschen. Wenn die Vorgabe eines einheitlichen Drehfeldes
für alle Abgänge einer Verteilung nicht wichtig ist, werden die Phasen
auch schon einmal im Sicherungskasten getauscht. Also was für den folgenden
Fall wichtig ist, man kann die Phasen sowohl im Motor-Klemmkasten als auch im
Sicherungskasten tauschen um die Drehrichtung eines Motors zu ändern.
An einem schönen Sommertag erhielten die Elektriker Jupp und
Horst den Auftrag sich beim Meister auf dem Holzplatz zu melden. Es sollte dort
der Drehstrommotor von einer Schneidemaschine ausgewechselt werden. Als die
beiden auf dem Holzplatz ankamen wurden sie schon von den Schlossern erwartet.
Die Schlosser hatten den neuen Motor bereits auf seinem Sockel befestigt und
ausgerichtet. Wenn der Motor angeschlossen war und die richtige Drehrichtung
vorlag wollten sie noch die Kupplungshälften verbinden.
Die beiden Elektriker wurden sich schnell einig. Der
gutmütige (aber etwas schwerfällige) Jupp sollte den Motor anschließen und
Horst (der Vorarbeiter), der an diesem Tag zum Scherzen aufgelegt war,
sollte die Sicherungen im Schaltraum entfernen und dann ein Zeichen geben, wenn
der Abgang spannungsfrei war.
Nachdem Jupp das Zeichen erhalten hatte und nun den Motor
angeschlossen hatte gab er seinerseits das Zeichen, dass die Sicherungen wieder
eingesetzt werden könnten. Nach einem kurzen Start des Motors war klar „der
läuft falsch herum“. Also gab Jupp erneut das Zeichen zum Entfernen der
Sicherungen.
Während Jupp nun zwei Drähte im Klemmkasten des Motors
tauschte war Horst nicht untätig und tauschte seinerseits auch zwei Drähte im
Sicherungskasten. Jupp gab erneut das Zeichen zum Einsetzen der Sicherungen und
fing gerade an sein Werkzeug zusammen zu packen als einer der Schlosser näselte
„der Motor läuft immer noch falsch herum“. Jupp griff sich an den Kopf „mmh ich
habe doch die Drähte getauscht!“ Jupp war verunsichert. Er gab also erneut das
Zeichen zum Entfernen der Sicherungen.
Horst entfernte die Sicherungen und
tauschte erneut zwei Drähte. Natürlich lief anschließend der Motor wieder
„falsch herum“. Jupp verlor langsam den Glauben an die Elektrotechnik. Nach dem
dritten Mal, ging Horst zum Ort des Geschehens und sagte zu Jupp „jetzt lass
mal den Vorarbeiter ran, man muss eine gewisse Sensibilität für die Maschine
mitbringen“.
Die beiden Elektriker tauschten nun die Rollen, Jupp ging in den
Schaltraum und entfernte die Sicherungen und Horst tauschte die beiden Drähte
im Klemmkasten des Motors. Und ..... das Wunder geschah. Nach dem Einschalten
lief der Motor richtig herum und die Schlosser konnten endlich die
Kupplungshälften verbinden.
Erst Wochen später erklärte Horst seinem Kollegen was er im
Schaltraum getrieben hatte während Jupp den Motor angeklemmt hat. Nun konnten
beide über den Schabernack lachen und Jupp hatte wieder volles Vertrauen in
seine Kenntnisse bezüglich der Elektrotechnik.
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