Montag, 23. März 2015

Kriegsveteran und Seemann


Anekdote 9 Emil Mayrisch     Die Schlacht bei el Alamein und eine turbulente Flucht

Unser Vorarbeiter für die Telefonie war Hein. Er war ein äußert humorvoller Mensch und sehr zuvorkommend. Auf Grund seines hohen Alters (er war schon über 50 Jahre) verfügte er auch über ein hohes Maß an Gelassenheit. Im zweiten Weltkrieg war er bei der Marine und er gehörte mit zu den Kämpfern von Rommel in der Schlacht bei el Alamein.
Nachdem Bernhard Montgomery den deutsch-italienischen Truppen eine vernichtende Niederlage zugefügt hatte flüchteten die Soldaten nach Alexandria um dort einzuschiffen.

Wenn es die Zeit erlaubte war es ganz klar, dass Hein den Lehrlingen seine persönliche Geschichte aus dieser Zeit erzählte und die ging ungefähr so:

„Die Alliierten verfolgten uns auf unserer Flucht. Wir mussten zu Fuß fliehen weil unsere Fahrzeuge gänzlich zerstört waren. In einem kleinen Dorf in der Nähe von Alexandria, ich glaube es hieß Burg el Arab standen wir plötzlich vor einem Gehege in dem tausende Strauße eingepferscht waren. Unser Kommandant befahl uns aufzusitzen. Jeder Landser nahm sich einen Strauß und wir saßen auf. Dann erfolgte der Befehl zum ausrücken. Die weißen Bänder an unseren Matrosenmützen flatterten im Wind und es war ein prächtiges Bild als so viele Soldaten in Richtung Alexandria auf Straußen ritten. 

Da mein Strauß ein wenig lahmte kam ich erst später in Alexandria an. Die Truppen verließen gerade den Hafen. Mit vier anderen Kameraden suchten wir nach einer Möglichkeit das Mittelmeer zu überwinden. Ein kleiner italienischer Zerstörer nahm uns mit weil ich dem Kapitän versichert hatte, dass wir alle Kanoniere wären. Dies kam dem Kapitän gerade recht da er keinen Soldaten mehr hatte der die Kanone bedienen konnte. Wir mussten höllisch auf der Hut sein denn das Mittelmeer war fest in der Hand der Alliierten. 

Die Fahrt verlief zuerst auch sehr ruhig. So kam es, dass ich mich beim Kartoffelnschälen in den Finger schnitt. Mitschiffs legte ich mich deshalb etwas in die Sonne und ließ meine Hand an der Bordwand im Wasser abkühlen. Plötzlich stieß ein Hai aus dem Wasser und riss mir mit einem Bissen meinen rechten Arm bis zur Elle weg (spätestens an dieser Stelle sahen die Lehrlinge, dass Hein über zwei gesunde Arme verfügte und auch keine Prothese trug). 

Zu diesem ganzen Unglück schrillte plötzlich auch noch die Sirene „Alarm“. Sofort begab ich mich zur Kanone und suchte im Sichtgerät den Horizont ab.
Ganz weit in der Ferne war ein fremdes Schiff zu sehen. Da die Einschläge sich bereits unserem Schiff gefährlich genähert hatten schoss ich sofort zurück. Volltreffer, das feindliche Schiff sank innerhalb von Minuten. Trotzdem hörte der Beschuss nicht auf. Ein zweites feindliches Schiff fuhr mit Volldampf in unsere Richtung. Der Kapitän befahl volle Fahrt zur Flucht. Plötzlich färbte sich das Mittelmeer in einer bräunlichen Farbe mit dunkelbraunen Schlieren. Als wir uns der Stelle näherten an dem ich das Schiff versenkt hatte war das Mittelmeer dort tiefbraun. Was soll ich euch sagen, ich hatte einen Kakaodampfer versenkt. Wenn ihr einmal das Mittelmeer in Richtung Ägypten überquert solltet ihr eure Augen auf das Wasser richten denn den riesigen Kakaofleck kann man heute noch sehen.

Nachdem die Lehrlinge sich vor Lachen geschüttelt hatten ging Hein wieder seiner geliebten Beschäftigung nach. Er überprüfte die Wählerrelais, die Einlötsicherungen und die Telefonverteiler. Die Lehrlinge sprachen natürlich untereinander über ihre Erlebnisse. So kam es, dass sich in der Ausbildung viele Lehrlinge nach Emil Mayrisch meldeten.

Und wenn sie nicht gestorben sind dann ...............................................................

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen