Anekdote 9 Emil Mayrisch
Die Schlacht bei el Alamein und eine turbulente Flucht
Unser Vorarbeiter für die Telefonie war Hein. Er war ein
äußert humorvoller Mensch und sehr zuvorkommend. Auf Grund seines hohen Alters
(er war schon über 50 Jahre) verfügte er auch über ein hohes Maß an
Gelassenheit. Im zweiten Weltkrieg war er bei der Marine und er gehörte mit zu
den Kämpfern von Rommel in der Schlacht bei el Alamein.
Nachdem Bernhard Montgomery den deutsch-italienischen
Truppen eine vernichtende Niederlage zugefügt hatte flüchteten die Soldaten
nach Alexandria um dort einzuschiffen.
Wenn es die Zeit erlaubte war es ganz klar, dass Hein den
Lehrlingen seine persönliche Geschichte aus dieser Zeit erzählte und die ging
ungefähr so:
„Die Alliierten verfolgten uns auf unserer Flucht. Wir
mussten zu Fuß fliehen weil unsere Fahrzeuge gänzlich zerstört waren. In einem
kleinen Dorf in der Nähe von Alexandria, ich glaube es hieß Burg el Arab
standen wir plötzlich vor einem Gehege in dem tausende Strauße eingepferscht
waren. Unser Kommandant befahl uns aufzusitzen. Jeder Landser nahm sich einen
Strauß und wir saßen auf. Dann erfolgte der Befehl zum ausrücken. Die weißen
Bänder an unseren Matrosenmützen flatterten im Wind und es war ein prächtiges
Bild als so viele Soldaten in Richtung Alexandria auf Straußen ritten.
Da mein
Strauß ein wenig lahmte kam ich erst später in Alexandria an. Die Truppen
verließen gerade den Hafen. Mit vier anderen Kameraden suchten wir nach einer
Möglichkeit das Mittelmeer zu überwinden. Ein kleiner italienischer Zerstörer
nahm uns mit weil ich dem Kapitän versichert hatte, dass wir alle Kanoniere
wären. Dies kam dem Kapitän gerade recht da er keinen Soldaten mehr hatte der
die Kanone bedienen konnte. Wir mussten höllisch auf der Hut sein denn das
Mittelmeer war fest in der Hand der Alliierten.
Die Fahrt verlief zuerst auch
sehr ruhig. So kam es, dass ich mich beim Kartoffelnschälen in den Finger
schnitt. Mitschiffs legte ich mich deshalb etwas in die Sonne und ließ meine
Hand an der Bordwand im Wasser abkühlen. Plötzlich stieß ein Hai aus dem Wasser
und riss mir mit einem Bissen meinen rechten Arm bis zur Elle weg (spätestens
an dieser Stelle sahen die Lehrlinge, dass Hein über zwei gesunde Arme verfügte
und auch keine Prothese trug).
Zu diesem ganzen Unglück schrillte plötzlich
auch noch die Sirene „Alarm“. Sofort begab ich mich zur Kanone und suchte im
Sichtgerät den Horizont ab.
Ganz weit in der Ferne war ein fremdes Schiff zu sehen. Da
die Einschläge sich bereits unserem Schiff gefährlich genähert hatten schoss
ich sofort zurück. Volltreffer, das feindliche Schiff sank innerhalb von
Minuten. Trotzdem hörte der Beschuss nicht auf. Ein zweites feindliches Schiff
fuhr mit Volldampf in unsere Richtung. Der Kapitän befahl volle Fahrt zur Flucht.
Plötzlich färbte sich das Mittelmeer in einer bräunlichen Farbe mit
dunkelbraunen Schlieren. Als wir uns der Stelle näherten an dem ich das Schiff
versenkt hatte war das Mittelmeer dort tiefbraun. Was soll ich euch sagen, ich
hatte einen Kakaodampfer versenkt. Wenn ihr einmal das Mittelmeer in Richtung
Ägypten überquert solltet ihr eure Augen auf das Wasser richten denn den
riesigen Kakaofleck kann man heute noch sehen.
Nachdem die Lehrlinge sich vor Lachen geschüttelt hatten
ging Hein wieder seiner geliebten Beschäftigung nach. Er überprüfte die
Wählerrelais, die Einlötsicherungen und die Telefonverteiler. Die Lehrlinge
sprachen natürlich untereinander über ihre Erlebnisse. So kam es, dass sich in
der Ausbildung viele Lehrlinge nach Emil Mayrisch meldeten.
Und wenn sie nicht gestorben sind dann
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